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Offener Austausch über Sicherheitsfragen – Jérôme Le Saint, Direktor des AKW Cattenom, zu Gast bei Umweltminister Jost

Gesprächsthemen gab es genug: Abgeschlossene und geplante Sicherheitsmaßnahmen sowie die Laufzeiten der einzelnen Reaktoren standen auf der Tagesordnung eines Treffens von Umweltminister Reinhold Jost mit dem Direktor des Atomkraftwerks Cattenom, Jérôme Le Saint, in Saarbrücken – pandemiebedingt das erste Treffen der beiden. Der Bretone Le Saint wurde im Oktober 2020 mit der Leitung des AKW betraut.

„Der regelmäßige Austausch mit den Verantwortlichen in Cattenom ist inzwischen gute Tradition“, sagt Minister Jost. „Dabei werden erwartungsgemäß immer auch Themen angesprochen, bei denen es keine Einigkeit gibt. Unsere ablehnende Haltung gegenüber der Atomenergie ist hinlänglich bekannt. Dennoch sind die vertrauensvollen, sehr offenen Gespräche enorm wichtig“, so Jost.

Beim Treffen mit Direktor Le Saint wurde erneut deutlich, dass es bei den AKW-Laufzeiten keine Begrenzung gibt. Ausgelegt sind die französischen Kernkraftwerke auf 40 Jahre. Allerdings wird jeder Reaktor alle zehn Jahre einer großen Inspektion unterzogen (Visite Décennale), nach der die französische Atomaufsichtsbehörde ASN eine Betriebsgenehmigung für weitere 10 Jahre erteilt. In Cattenom wird Block 1 im Jahr 2026 als erster Reaktor des Standortes eine Laufzeit von 40 Jahren erreichen.

Die EDF plant – unterstützt von der französischen Regierung – die Laufzeit auf bis zu 60 Jahre auszuweiten. Hierzu hat die EDF das Investitionsprogramm „Grand Carénage“ zur Ertüchtigung des gesamten französischen Kraftwerksparks für eine Laufzeit von bis zu 60 Jahren vorgesehen.

Minister Jost: „Aus unserer Sicht ist allein aufgrund der allgemeinen Materialermüdung eine Laufzeitverlängerung nicht vertretbar und eine Nachrüstung auf „Stand der Technik“ nicht möglich. Wir werden uns auch weiterhin auf allen Ebenen nachdrücklich gegen eine längere Laufzeit aussprechen.“

Jérôme Le Saint betonte bei dem Treffen hingegen die hohen Sicherheitsanforderungen, die ein Reaktor bei den Inspektionen erfüllen muss, um weitere zehn Jahre am Netz zu bleiben. Darüber hinaus seien hohe Investitionen in die technische Weiterentwicklung des AKW verpflichtend.

Für dieses Jahr geplant sind nach Auskunft des Kraftwerksdirektors weitere Sicherheitsverbesserungen im Zusammenhang mit den Post-Fukushima Maßnahmen, dazu zählen die Inbetriebnahme der Notwasserversorgung und der Bau eines neuen lokalen Krisenzentrums ab Ende 2022.

Außerdem stehen bereits Vorbereitungen für die dritte Zehn-Jahres-Revision von Reaktor 4 an, die im Mai 2023 starten soll.  

Jost: „Ich habe mit Direktor Le Saint einen weiterhin engen Informationsaustausch auf Augenhöhe vereinbart. Unsere Devise: Informationen statt Verunsicherung. Ein Besuch im AKW Cattenom ist in Planung.“

Hintergrund:

Im Jahr 2021 gab es 48 meldepflichtige Ereignisse im AKW Cattenom, davon 8 in der siebenstufigen internationalen Bewertungsskala INES in Stufe 1 (Störung). Damit liegt Cattenom im Durchschnitt der französischen Atomkraftwerke.

Vor allem wegen der technischen Anlagensituation haben die Regierungen und Parlamente von Luxemburg, Rheinland-Pfalz und dem Saarland mehrmals die schnellstmögliche Schließung des Kernkraftwerkes Cattenom gefordert und dies auch gegenüber der französischen Staatsregierung schriftlich und mündlich zum Ausdruck gebracht.

Derzeit sind die Blöcke 1 bis 3 in Betrieb und speisen in das nationale Stromnetz ein. Block 4 des Atomkraftwerks ist planmäßig abgeschaltet, unter anderem zum Austausch der Brennstäbe im Reaktor und zur Durchführung von Wartungen.

Das Unternehmen EDF betreibt in Frankreich 56 Kernkraftwerksblöcke an 18 Standorten.     

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