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Verkehr
 

Fechinger Talbrücke früher als erwartet wieder voll befahrbar

24.10.2016

Die Arbeiten an der Fechinger Talbrücke gehen in die Endphase. Verkehrsministerin Anke Rehlinger rechnet fest damit, dass ab Montag, 31. Oktober, auch Lkw sie wieder befahren können: „Dies wird voraussichtlich im Lauf des Nachmittags der Fall sein. Dann haben wir das Ziel, den früheren Zustand wiederherzustellen, wesentlich schneller erreicht, als es zunächst möglich schien.“ Sie sei erleichtert, dass sich der Verkehr auf der Brücke und auf den Umleitungsstrecken jetzt wieder normalisieren könne. „Ich weiß, was die Autofahrer und die Anwohner aushalten mussten, aber die plötzliche Brückensperrung war aus Sicherheitsgründen unvermeidbar.“

Die Ministerin dankte den Planern und den ausführenden Unternehmen für ihre engagierte Arbeit. Ohne sie wäre es nicht möglich gewesen, dieses Großprojekt in etwas mehr als sieben Monaten zu stemmen. Der Landesbetrieb für Straßenbau (LfS) habe die Grundlage dafür geschaffen, dass seit Mai wieder Pkw auf die Brücke konnten und die Situation sich bereits entschärfte: „Der LfS hat sich rechtzeitig die Wiege- und Kontrollanlage gesichert, sonst wäre sie in Nordrhein-Westfalen zum Einsatz gekommen und wir hätten keine Teilöffnung hinbekommen.“ Die Schrankenanlage der Firma Volkmann & Rossbach (Montabaur) habe die Bewährungsprobe voll bestanden.

Die Kosten für das Verstärkungsprojekt werden sich nach Einschätzung von Landesbetrieb und Ministerium voraussichtlich auf 12 Mio. Euro belaufen. Sie werden vollumfänglich vom Eigentümer Bund getragen. Abbruch- und Betonarbeiten, die Pfeilerverstärkung und der Betrieb der Wiege- und Kontrolleinrichtungen sind dabei die größten Posten.

Vorübergehende Sperrung

Vor der Öffnung sind an der Brücke, am Fahrbahnbelag und an den beiden Wiegestationen aber noch eine ganze Reihe von Aufgaben zu erledigen. Dies kann aus Sicherheitsgründen nur komplett ohne Verkehr geschehen. Daher ist eine vorübergehende Vollsperrung unvermeidbar. In Richtung Mannheim gilt sie zwischen den Anschlussstellen Fechingen und St. Ingbert-West, in umgekehrter Richtung zwischen den Anschlussstellen St. Ingbert-Mitte und Fechingen.

Die Sperrung beginnt am 27. Oktober gegen 9 Uhr und endet mit der Freigabe der Brücke. Die Umleitungsstrecke führt den Verkehr aus Richtung Mannheim ab St. Ingbert Mitte über die Bedarfsumleitung 10a, Südstraße, auf die Umleitungsstrecke L108 und so zur Anschlussstelle Fechingen. Der Verkehr in Richtung Mannheim wird an der Anschlussstelle Fechingen abgeleitet und auf der L108 zur Anschlussstelle St. Ingbert-West geführt.

Im Nachgang zur Öffnung der Talbrücke wird am 1. November die ursprüngliche Verkehrsführung in Fechingen wiederhergestellt. Dann ist an der Anschlussstelle auch Linksabbiegerverkehr Richtung Brebach wieder möglich.

Im Bereich der Brücke werden für Lkw ein Abstandsgebot von 50 Metern (mit Zusatzschild „auch im Staufall“) sowie ein Überholverbot eingerichtet. Zusätzlich gibt es das Tempolimit 100 km/h. Notwendig ist es unter anderem wegen den engeren Fahrspuren.

Ausstehende Arbeiten

Folgende Restarbeiten sind noch zu erledigen:

  • Abbau der Betonschutzwände und Stahlwände sowie Rückbau der Elektronik an den Wiegeeinrichtungen,
  • Markierungsarbeiten,
  • Rückbau der Hilfsabfahrt in St. Ingbert-West,
  • Herrichtung der Schutzplanken,
  • Abbau der Beschilderung am Autobahnkreuz Neunkirchen und Autobahndreieck Saarlouis sowie auf der französischen Seite,
  • Anpassung der Beschilderung an der Umleitungsstrecke.

Der LfS nutzt die Zeit der Vollsperrung, um zwischen den Anschlussstellen St. Ingbert-West und Fechingen Unterhaltungsarbeiten auszuführen: Gehölzrückschnitt, Säubern von Regenabläufen und Schlitzrinnen, Mäharbeiten.

Geleistete Arbeiten

Rehlinger: „Der LfS hat zusammen mit seinen Baustellenpartnern ganze Arbeit geleistet, auch nachts und an Wochenenden.“

Die Verstärkung der zehn Stahlstützen durch die Arge Fechinger Talbrücke DSD (Saarlouis) war eine Mammutaufgabe. 840 Doppelwinkel wurden an die bestehenden Stahlsteifen angebracht. Das bedeutet konkret: 20.000 Bohrungen für die Schraubverbindungen. Zusätzlich wurden 22 Querschotte in sieben Brückenpfeiler eingebaut. Insgesamt wurden rund 130 Tonnen Baustahl eingesetzt. Rehlinger: „Die Arbeitsbedingungen in den engen Stützen waren schwierig, vor allem bei hohen Außentemperaturen. Ich habe Hochachtung vor denen, die das geleistet haben!“ Es habe sich bewährt, dass die Methode der Innenverstärkung gewählt wurde: „So waren wir weniger witterungsabhängig, so dass keine Zeit verloren wurde. Außerdem wären bei der zunächst geplanten Außenverstärkung umfangreiche Gerüstarbeiten notwendig gewesen.“

Die Verkehrssicherungseinrichtungen wurden von der Fa. Bilfinger SVA GmbH (Saarbrücken) und der SIG Sicherungsgeräte GmbH (Neunkirchen) in Kooperation ausgeführt.

Die GBS mbH & Co. KG (Homburg) hat in Zusammenarbeit mit der Firma Leonhardt + Weiss die rund 900 Meter Geländer ab- und neu aufgebaut. Ebenso wurden 2.400 Quadratmeter Rand- und Mittelkappe sowie etwa 10.000 Quadratmeter Asphaltbelag entfernt. Zuletzt wurden dann 12.800 Quadratmeter Gussasphalt in zwei Lagen aufgebracht.

Die täglichen Instandsetzungsarbeiten an der Umleitungsstrecke wurden von der Juchem Asphaltbau GmbH & Co. KG (St. Wendel) und maßgeblich von den LfS-Außenstellen Rohrbach, Limbach, Sulzbach und Lebach ausgeführt. Die SGGT Stahlschutzsysteme (Ottweiler) betreute die Stahlschutzsysteme auf dem Bauwerk.

Drei Ingenieurbüros sorgten für die reibungslose Planung und Umsetzung der komplexen Arbeitsschritte sowie die baustatische Prüfung: Verheyen Ingenieure GmbH & Co. KG (Bad Kreuznach), BORAPA GmbH Prof. Dr. Kurz (Kaiserslautern) sowie Heinzel und Boos GmbH (Saarbrücken).

Innenministerium, Polizei und Landeshauptstadt haben zur Bewältigung der Ausnahmesituation einen wichtigen Beitrag geleistet, vor allem durch Überwachung und Verkehrslenkung auf den Umleitungsstrecken sowie durch Kontrollen, insbesondere zur Durchsetzung des Lkw-Nachtfahrverbots.

Die Neubauplanung

Die Fechinger Talbrücke soll längerfristig durch einen Neubau ersetzt werden. „Durch die Verstärkung der bestehenden Brücke haben wir jetzt die Möglichkeit geschaffen, diesen Neubau im Wesentlichen ohne Vollsperrung umzusetzen“, so die Ministerin. Derzeit werde planerisch untersucht, wie der Ersatzneubau der Fechinger Talbrücke erfolgen könnte: „Bei dieser Voruntersuchung sind mehrere Varianten in der Diskussion. Noch nicht entschieden hat der Bund darüber, ob ein Teilanschluss wie bisher (keine Abfahrt aus Richtung Mannheim) oder ein Vollanschluss gebaut wird.“ Diese Entscheidung sei einerseits eine Kostenfrage und beeinflusse andererseits den weiteren Fortgang der Planungen. Ein Vollanschluss würde zum Beispiel einen größeren Eingriff in Natur und Landschaft mit sich bringen. Ob er zu rechtfertigen ist, hängt von Modellen zur potenziellen Verlagerung der Verkehrsströme ab, die im Moment ausgewertet werden.