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60 Jahre Saarland
 

Saarstatut und Volksabstimmung 1955

Das Ende eines Experiments

Die Frage um die Zukunft des Saarlandes war zwischen der Bundesrepublik und Frankreich alles andere als klar. Sie belastete das deutsch-französische Verhältnis und stand einer Fortentwicklung der europäischen Einigung im Weg. Robert Schuman, der französische Außenminister, schlug daher 1952 die Europäisierung der Saar vor. Ergebnis der Verhandlungen zwischen Konrad Adenauer und Pierre Mendès France war als Teil der Pariser Verträge von 1954 das Saarstatut. Es sah vor, das Saarland der Leitung eines Kommissars der Westeuropäischen Union bis zu einem Friedensvertrag zu unterstellen. Saarbrücken begann bereits mit Planungen eines umfassenden städtebaulichen Ausbaus zur europäischen Hauptstadt. Die Bevölkerung sollte in einer Abstimmung am 23.10.1955 über die Annahme des Statuts befinden.
In einem heftig geführten Wahlkampf zeigte sich, dass die Saarländer über diese Frage zutiefst gespalten waren. Die Befürworter des Statuts, die „Ja-Sager“, sammelten sich in der CVP und SPS. Sie traten für das Statut mit der Europäisierung der Saar ein. Demgegenüber bildete sich der „Heimatbund“. Sie vertraten die „Nein-Sager“, politisch vertreten von der Demokratischen Partei Saar mit Heinrich Schneider, der Christlich Demokratischen Union mit Hubert Ney und der Deutschen Sozialdemokratischen Partei mit Kurt Conrad an der Spitze. Sie lehnten die Loslösung von Deutschland strikt ab. Erst drei Monate vor der Abstimmung wurden sie offiziell zugelassen und agierten davor im Untergrund. Die Kommunistische Partei des Saarlandes lehnte das Statut ebenfalls ab.
Die Abstimmung brachte ein eindeutiges Ergebnis: 67,7 Prozent votierten gegen das Statut. Hoffmann trat daraufhin als Ministerpräsident zurück. Die Ablehnung wurde als Wille der Saarländer zur Rückkehr nach Deutschland interpretiert.