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60 Jahre Saarland
 

Heim ins Reich

Der Abstimmungskampf 1934/35

Wie im Versailler Vertrag vorgesehen, wurde 1935 den Saarländern die Entscheidung über die Zukunft des Saarlandes zur Abstimmung gestellt. Im Grunde waren sich die Saarländer in dieser Frage auch einig: Die Rückkehr nach Deutschland wurde lange Zeit von allen politischen Kräften befürwortet. Mit der Machtübernahme Hitlers veränderte sich jedoch diese Situation. Berichte von Emigranten, die im Saarland vor den Nationalsozialisten Zuflucht suchten, und die aufmerksame Beobachtung der zunehmenden Aushöhlung der Demokratie in Deutschland ließen eine Anti-Hitler-Opposition entstehen, die unter den gegebenen Umständen für die Beibehaltung des Status quo kämpfte. Diese sogenannte Einheitsfront setzte sich im Wesentlichen aus Sozialdemokraten und Kommunisten, aber auch aus engagierten Katholiken zusammen. Intellektuelle wie Bertolt Brecht oder Thomas Mann ergriffen für sie publizistisch Partei.
Gleichwohl waren die Waffen in der Propagandaschlacht vor der Wahl sehr ungleich verteilt. Die Deutsche Front aus Nationalsozialisten sowie aus Teilen der Konservativen und Kirchen konnte massiv auf die Meinungsbildung im Saarland einwirken. In einem leidenschaftlichen Kampf wurden Rückgliederungsgegner eingeschüchtert und diffamiert. Kundgebungen wie am Niederwalddenkmal mit 100.000 Teilnehmern demonstrierten die Politisierung und nationalistische Instrumentalisierung der Saarfrage.
Die Abstimmung selbst am 13.1.1935 brachte ein eindeutiges Ergebnis: 90,7 Prozent votierten für die Rückgliederung, 8,7 Prozent für den Status quo. Hitler erzielte an der Saar seinen ersten großen außenpolitischen Erfolg. Die vielen Emigranten im Saarland mussten unmittelbar nach der Wahl ihre Flucht zumeist über Frankreich fortsetzen.